Chronik
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50er  ·  70er/80er  ·  Festumzug 1981
Der Weinbau

 am Kaiserstuhl und Tuniberg hat eine alte Tradition. Es ist erwiesen, daß hier schon römische Legionäre und Siedler Weinbau betrieben haben, um weitab von ihrer Heimat nicht auf ihren geliebten Wein verzichten zu müssen. Die Alemannen, die dann die Römer vertrieben, haben von diesen den Weinbau übernommen. Weit jünger ist die Geschichte des Kaiserstuhl-Tuniberg Bezirksweinfestes, doch durchaus interessant, wenn man seine Entwicklung vom Jahre 1950 bis hin zum diesjährigen 59. Weinfest, dem 48. Weinfest in Breisach, verfolgt.

Wohl gab es schon vor dem Kriege da und dort Weinfeste oder Winzerfeste, die jedoch örtlich begrenzt waren. Erst als nach dem Kriege der Rebanbau in neue Bahnen gelenkt, die Winzer sich enger zusammengeschlossen haben und die Qualität des Kaiserstühler und Tuniberger Weines von Jahr zu Jahr gestiegen ist, entschlossen sich die Verantwortlichen zu einem regionalen Weinfest, nicht zuletzt zur intensiveren Werbung.

Im Jahre 1950 wurde in Ihringen erstmals ein solches Fest gefeiert. Der Erfolg war überwältigend. Denn die Winzer verstanden nicht nur Wein von hoher Qualität an- und auszubauen, sondern sie verstanden auch, die heimischen Erzeugnisse in heimischer Landschaft wirkungsvoll anzubieten und den überaus zahlreichen Freunden und Gästen einige weinfrohe Stunden der Entspannung und Erholung zu bieten.

Der Vergnügungspark des Weinfestes
Der Vergnügungspark des Weinfestes

Da jedoch ein solches regionales Weinfest eine Unmenge Arbeit von der Vorbereitung über die Organisation bis hin zur Durchführung erforderte, von den Kosten gar nicht zu reden, entschloß man sich, das Weinfest jedes Jahr in einer anderen Winzergemeinde zu veranstalten. Und da eine Gemeinde auch über das notwendige Weinfestgelände verfügen und im Ort ein Weinfestumzug möglich sein mußte, gab es im Kaiserstuhl-Tuniberg-Weinbaubezirk gar nicht so sehr viel Gemeinden, die diese Voraussetzungen erfüllten. Und so bewarben sich außer Ihringen nur noch die Gemeinden Endingen (1951), Oberrotweil (1952) und Eichstetten (1953) um die Ausrichtung des Bezirksweinfestes.

In der vorgenannten Reihenfolge wurden dann die jährlichen Weinfeste abgehalten. Höhepunkt dieser Winzerdankfeste war in jedem Jahr der Umzug mit den zahlreichen Festwagen. Und da die besten Festwagen jeweils prämiert wurden, ließen sich die Teilnehmer und Festwagenbauer auch immer wieder etwas einfallen, und aber auch was kosten. Oftmals war das ganze Winzerdorf am Bau eines solchen Festwagens beteiligt, denn jede Genossenschaft, jeder Verein und jede Gruppe wollte an besten abschneiden.

Bis zum Jahre 1958 wurden die Weinfeste jährlich an den verschiedenen Orten abgehalten, nur im Jahre 1956 nicht. In diesem Jahr wurde der Kaiserstuhl und der Tuniberg von einem übernatürlich hartem Frost überfallen, der alle Hoffnungen auf einen Herbst zunichte machte. Es gab nur eine sehr kleine Ernte und diese war durchaus kein Anlaß, ein Weinfest zu feiern. Und so traf man sich erst wieder im Jahre 1957 in Oberrotweil und ein Jahr danach in der Winzergemeinde Eichstetten.

Inzwischen hatte man im benachbarten Markgräflerland ebenfalls begonnen, ein Bezirksweinfest zu organisieren. Um sich nicht gegenseitig Konkurrenz zu machen, und um sich nicht die Gäste abwerben zu müssen, vereinbarten die Verantwortlichen der beiden Weinbaubezirke Kaiserstuhl-Tuniberg und Markgräflerland, ihre Weinfeste künftig im Wechsel durchzuführen. Und so waren die weiteren Weinfeste 1960 in Ihringen, 1964 in Oberrotweil und 1966 in Eichstetten.

Das Rheintor am Weinfestgelände
Das historische Rheintor am Weinfestgelände

Im Jahre 1962 feierte die ZBW ihr zehnjähriges Jubiläum. Was lag also näher, als dieses Jubelfest mit dem Bezirksweinfest zu verbinden. Und so erlebte Breisach gewissermaßen sein erstes Weinfest. Das Weindorf befand sich in der Stadthalle, ein großes Festzelt wurde in der Nachbarschaft auf dem Sportplatz des „Grünele“ aufgebaut. Anläßlich dieses Festes wurde Gerdi Sexauer aus Königschaffhausen (Gerdi Staiblin, geb. Sexauer, ehem. Ministerin für ländlichen Raum von Baden-Württemberg) durch die amtierende Deutsche Weinkönigin Maritta Heinzen zur Badischen Weinkönigin gekrönt. Man war in der Münsterstadt schon deshalb stolz auf dieses Ereignis, denn in den Jahren 1952 bis 1954 beteiligten sich die Breisacher mit je einem Festwagen an den Umzügen und erhielten jedesmal den 1. Preis.

Die Kaiserstuhl-Tuniberg Bezirksweinfeste wurden immer beliebter und der Zuspruch der Besucher auch aus dem weiteren Umkreis wurde immer größer. Im selben Maße wuchsen aber auch die Sorgen der jeweils verantwortlichen Organisatoren, denn zum einen mußte der Festplatz von Jahr zu Jahr erweitert werden und zum anderen wurde immer mehr Parkraum für die Gäste benötigt. Von den übrigen Verkehrsproblemen in den ohnehin beengten Straßenverhältnissen der betroffenen Gemeinden gar nicht zu reden. Und da von den bisherigen Weinfestausrichtern keiner mehr gewillt war, das immer größer werdende Risiko und die ständig steigenden Kosten zu tragen, entschlossen sich die Verantwortlichen, das Bezirksweinfest Kaiserstuhl-Tuniberg künftighin nur noch an einem Ort durchzuführen.

Die Vertreter der Kaiserstuhl-Tuniberg-Gemeinden zusammen mit den Vorständen bzw. den Geschaftsführern der örtlichen Winzergenossenschaften entschieden sich in einer Versammlung für die Stadt Breisach als künftigen Weinfestort. Nachdem der Gemeinderat der Stadt seine Zustimmung zu einem wieder alljährlichen Weinfest gegeben hatte, wurde als Festplatz das Gelände beiderseits der damaligen Hafenstraße, heute Josef-Bueb-Straße, bestimmt. Die Wahl Breisachs als Festort und damit als Zentralort für das Weinbaugebiet Kaiserstuhl und Tuniberg war für die Stadt nicht nur eine Auszeichnung und ein Vertrauensbeweis der Nachbargemeinden, sondern gleichermaßen auch eine große Verpflichtung dem Weinbaugebiet gegenüber.

Nachdem das 1. Bezirksweinfest in Breisach im Jahre 1968 mit einem glanzvollen Umzug und der Wahl und der Krönung der damaligen Badischen Weinkönigin, Gisela Zeberer aus Kappelrodeck, zu Ende gegangen war, waren sich Veranstalter wie Besucher einig, daß man mit Breisach als Festort die richtige Wahl getroffen hatte. Denn hier bot sich zwischen Rhein und Rheintor nicht nur ein ideales Gelände mit altem, schattigem Baumbestand, sondern in unmittelbarer Nähe gab es auch eine ausreichende Zahl von Parkplätzen. Und was wohl am meisten zählte: Das Weinfestgelände konnte vom normalen Straßenverkehr freigehalten werden.

Der Musik- und Tanzpavillon mit Zeltmembranüberdachung
Der Musik- und Tanzpavillon

Im Jahre 1969 beging die Stadt Breisach ihre 1600-Jahr-Feier aufgrund ihrer ersten urkundlichen Erwähnung aus dem Jahre 369. Dieses Jubelfest wurde zusammen mit dem Bezirksweinfest veranstaltet. Und so gab es einen prachtvollen Festumzug, der aus Kostengründen einer der letzten sein sollte. Nur zu besonderen Jubiläen wurde und wird ein solcher Festumzug von den Verantwortlichen festgelegt.

Die Stadt Breisach war sich der Verantwortung als Weinfestort voll bewußt und hat sich für die Ausgestaltung und Ausstattung des Weinfestgeländes sehr viel Mühe gegeben. Das Weindorf beim historischen Rheintor wurde in den siebziger Jahren systematisch ausgebaut. Es folgten die Installation fester hygienischer Einrichtungen, die Versorgung von Strom und Wasser wurde vervollständigt, für die Weinlauben und Verkaufsstände sind Fundamente eingebracht worden, die Wege wurden befestigt und ein entsprechender Musik- und Tanzpavillon mit einer Zeltmembranüberdachung aufgebaut. Das Nebengelände für den Vergnügungspark erhielt teilweise eine Asphaltdecke und die Straßenbeleuchtung wurde modernisiert.

Auch in den letzten Jahrzehnten wurde die Erhaltung und der Ausbau des Weinfestgeländes fortgesetzt. Im Zuge des zunehmenden Umweltbewußtseins und dem, mit dem weiteren Ausbau des Gewerbegebietes beim Rheinhafen fortschreitenden Parkraummangels, wurde in den letzten Jahren mit großem Erfolg ein Pendelbus zwischen dem Gelände des Badischen Winzerkellers, der über große Parkflächen verfügt, und dem Weinfestgelände eingerichtet. Weiterhin wurden die Bahn- und Busverbindungen verbessert. Der Busbahnhof befindet sich jetzt in unmittelbarer Nähe des Weinfestgeländes. Im Weindorf selbst kam ein weiterer Musik- und Tanzpavillon hinzu, so daß noch mehr Unterhaltungs- und Rahmenveranstaltungen abgehalten werden können. Dem neuen Medium Internet wurde mit der Gestaltung einer eigenen Homepage Rechnung getragen, die seit 1999 online ist und die seitdem laufend verbessert und angepasst wurde.

Blick vom Riesenrad auf den Rhein
Blick vom Riesenrad auf den Rhein

Fester Bestandteil der jährlichen Weinfeste ist das Feuerwerk, das in den ersten zehn Jahren am Montag und seither am Freitagabend abgebrannt wird. Ebenfalls nicht mehr wegzudenken sind die Weingläschen, jeweils mit neuen Motiven aus den Weinorten des Kaiserstuhls und Tunibergs und die musikalische Unterhaltung der Musikkapellen aus den Winzerorten.

Die weinrechtliche Trennung des Gebietes Kaiserstuhl-Tuniberg in die Bereiche Kaiserstuhl und Tuniberg hatte keine größere Auswirkung auf das Weinfest. Beide Gebiete sind mit ihren Genossenschaften weiterhin vertreten und auch die Weinprinzessin blieb die Vertreterin beider Bereiche.

War in den ersten Jahren die Stadt Breisach für die Organisation und Durchführung der Weinfeste verantwortlich, so ist hierfür nunmehr die Kaiserstühler Wein-Marketing GmbH mit Sitz in Breisach federführend. Das Bezirksweinfest in Breisach hat in der Vergangenheit zunehmend an Bedeutung gewonnen. Jährlich sind es bis zu 100.000 Besucher, die an den vier weinfrohen Festtagen die über 300 verschiedenen angestellten Weine, Sekte und Seccos verkosten und genießen.


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