Breisach

Museum für Stadtgeschichte im historischen Rheintor Museum für Stadtgeschichte im historischen Rheintor

Museum für Stadtgeschichte Breisach am Rhein
Rheintorplatz 1 · 79206 Breisach am Rhein
Tel. 0 76 67 / 70 89 und 0 76 67 / 8 32 65
 
Öffnungszeiten:

Eintritt: 2 Euro
Dienstag - Freitag
Samstag, Sonn- und Feiertage
14:00 - 17:00 Uhr
11:30 - 17:00 Uhr
Modell des Brückentors um 1635
Das im Oktober 1991 im barocken Rheintor eröffnete Museum für Stadtgeschichte zeigt auf zwei Etagen mit etwa 400qm Ausstellungsfläche Gegenstände von der Steinzeit bis in die Gegenwart. Schwerpunkte bilden Grabungsfunde vom Breisacher Münsterberg und seiner Umgebung, wie dem Grabhügelfeld von Ihringen-Gündlingen und der spätlatènezeitlichen Siedlung Breisach-Hochstetten.
Kettenhemd aus dem 15. Jahrhundert
Nach den römer-, merowinger- und karolingerzeitlichen Siedlungsfunden führt der Rundgang über die frühe örtliche Münzprägung im 10. Jahrhundert und die Darstellung der unter Herzog Berthold V. von Zähringen (gest. 1218) erbauten und im 18. Jahrhundert zerstörten Burg zu den in Breisach bis 1793 bestandenen Klöstern und qualitätvollen Stücken aus dem Zwei Frauen in einer Doppelzankgeige St. Stephansmünster, dessen Baugeschichte ausführlich dargestellt wird. Weitere Ausstellungsabschnitte widmen sich u. a. der Zugehörigkeit Breisachs zu Österreich, Burgund und Frankreich, der mittelalterlichen Rechtsprechung sowie der Geschichte der einst bedeutenden jüdischen Gemeinde. Einen breiten Raum nimmt die Entwicklung Breisachs als eine der größten Festungsstädte Europas vom 16.-18. Jahrhundert ein, die in mehreren Modellen dargestellt wird. Zunftwesen, Wasserversorgung und die Rheinregulierung des 19. Jahrhunderts führen zur jüngsten Vergangenheit, der Zerstörung Breisachs im Zweiten Weltkrieg, dem Wiederaufbau und der denkwürdigen Europa-Abstimmung von 1950.


Lageplan des Weindorfs
von Stadtarchivar Uwe Fahrer
Bereits in der jüngeren Steinzeit hinterließen Jäger auf dem markanten, etwa 30 bis 40m aus der Rheinebene aufragenden Basaltfelsen Spuren ihres Daseins. Der hervorgehobenen geografischen Lage verdankt Breisach auch seinen Namen, der uns erstmals im „Itinerarium Antonini“, einem römischen Reisebuch aus der Zeit um 300 n. Chr., als „mons brisiacus“ begegnet, zu deuten als „Felsendamm, an dem sich die Wellen des Rheines brechen.“ Bereits um 1200 v. Chr. bestand auf dem Felsplateau eine größere Siedlung, worauf eine vor einigen Jahren entdeckte Abfallgrube einer Töpferei der Urnenfelderzeit hinweist.
Keramik vom Münsterberg aus einer Töpfergrube der Urnenfelderzeit (1200-800 v. Chr)
In keltischer Zeit, ungefähr vom 5. bis 1. Jahrhundert v. Chr., befand sich auf dem Berg ein befestigter Fürstensitz, dem das umfangreiche Grabhügelfeld in der Ebene Richtung Kaiserstuhl/Ihringen zuzuordnen ist. Der heutige Stadtteil Hochstetten, südlich Breisachs, war zur damaligen Zeit ein bedeutender Warenumschlagplatz am Rhein. Im 4. nachchristlichen Jahrhundert errichteten die Römer auf der Südhälfte des Berges ein Kastell, das bis zum Truppenabzug um 400 belegt war, u.a. von der kaiserlichen Eliteeinheit „Legio Prima Martia“. Kaiser Valentinian I. (364 bis 375 n. Chr.) unternahm im Sommer des Jahres 369 eine Besichtigungsfahrt an die Oberrheinfront. Im Breisacher Kastell unterzeichnete er am 30. August ein Edikt, die erste genau datierbare Erwähnung unserer Stadt.
Holzschnitt aus der Cosmographia von Sebastian Münster ca. 1550
Abgesehen von einer Nennung als „Brezecha“ durch den Geografen von Ravenna im 8. Jahrhundert, tritt Breisach erst wieder 939 in das Licht der Geschichte, als König Otto I. Herzog Hermann von Schwaben mit dem sogenannten „castellum“ Breisach belehnte. Zu den weiteren Stadtherren gehörten in den nachfolgenden Jahrhunderten die Bischöfe von Basel, die Staufer und schließlich die Zähringer. Herzog Bertold V. von Zähringen, 1198 bis 1218 Stadtherr von Breisach, ließ auf dem nördlichen Bergplateau eine Burg, teilweise aus den Steinen des römischen Kastells, und in der Mitte des Berges den 42 Meter tiefen Radbrunnen errichten. Der Radbrunnenturm ist nach mehreren Zerstörungen und Umbauten heute noch zu sehen, die Burg wurde im 18. Jahrhundert zerstört. Unter König Rudolf von Habsburg wurde Breisach 1273 Freie Reichsstadt (bis 1331) und erhielt 1275 ein neues Stadtrecht, das die Grundlage für die wirtschaftliche Der Rhein bei Breisach zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Detail aus der Diebold - Schilling - Chronik von 1513: Vor dem Breisacher Tor nimmt Hermann von Eptingen dem burgundischen Landvogt die ritterlichen Insignien ab Blüte und politische Bedeutung der Stadt während des gesamten Mittelalters darstellte. Mehrere Klöster wurden im 13. und 14. Jahrhundert gegründet (Zisterzienserinnen-Kloster Marienau am Fuße des Eckartsberges, Augustinerkloster im Nordwesten und Franziskanerkloster im Südosten des Münsterberges). 1315 erhielten die Bürger von König Friedrich III. das Recht, ihre Stadt mit Mauern und Türmen zu befestigen, Teile der heute noch zu sehenden Stadttore (Gutgesellentor, Hagenbachturm, Kapftor) gehen auf diese Zeit zurück.
Vom Ende des 12. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts wurde das auf den Fundamenten des Römerkastells errichtete St. Stephansmünster umgebaut, erweitert und ausgeschmückt. Zu den bedeutendsten Kunstwerken darin zählen das 1488 bis 1491 von Martin Schongauer aus Colmar geschaffene monumentale Wandgemälde „Das Jüngste Gericht“, der 1500 fertiggestellte Sandstein-Lettner, der silbergetriebene und teilweise vergoldete Reliquienschrein für die nach der Überlieferung 1164 durch den Kölner Erzbischof und Reichskanzler Rainald von Dassel von Mailand nach Breisach verbrachten Gebeine der Stadtpatrone Gervasius und Protasius „Prozess des Peter von Hagenbach“ - Wandbild an einem Wohnhaus in der Radbrunnenallee aus dem Jahr 1496, sowie der aus Lindenholz geschnitzte Hochaltar des Meisters H. L. (Hans Loi) von 1523 bis 1526. Im Jahre 1474 erhoben sich die Breisacher Bürger gegen Peter von Hagenbach, den Landvogt Herzog Karls des Kühnen von Burgund,an den unsere Stadt 1469 von den Habsburgern (Breisach gehörte vom Mittelalter bis 1803 – abgesehen von den Zeiten französischer Herrschaft im 17. und 18. Jahrhundert – zu Vorderösterreich) verpfändet worden war. Ein hier tagendes Sondergericht verurteilte den tyrannischen Landvogt wegen zahlreicher Verbrechen zum Tode. Vor den Toren der Stadt fand er sein unrühmliches Ende. Sein Schicksal wurde von den 1924 gegründeten Breisacher Freilicht-Festspielen mehrfach theatralisch umgesetzt.
Unter Kaiser Maximilian I., dem „letzten Ritter“, begann um 1500 der Ausbau der Handels- und Gewerbestadt zu einer der stärksten Festungen Europas. Nach der Einnahme der Stadt nach monatelanger Aushungerung im Jahr 1638 durch Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar, den protestantischen Heerführer im 30-jährigen Krieg, gelangte Breisach bereits ein Jahr später mit dem Tod Bernhards, der bis zur Überführung in seine Heimat 1655 im St. Stephansmünster eine Ruhestätte fand, unter die Herrschaft Frankreichs.
Heute noch sichtbares Zeugnis dieser Epoche ist das 1678 erbaute Rheintor mit seiner reich geschmückten barocken Westfassade. Plan der Festung Breisach aus dem 17. Jhdt. Ludwig XIV. ließ die Stadt zum Bollwerk Frankreichs gegen das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ ausbauen und eine westlich des Rheins gelegene Neustadt „Saint-Louis“ bzw. „Ville neuve“ oder „Strohstadt“ – nach den zunächst erbauten provisorischen Hütten – errichten, in der sogar das elsässische Parlament, der „Conseil souverain et suprême d’Alsace“, seinen Sitz nahm. Mit dem Friedensschluss von Rijswijck 1697 mit dem der Pfälzische Krieg beendet wurde, gelangte Breisach wieder unter österreichische Herrschaft. Aus Sicherheitserwägungen heraus wurde die o.e. „Strohstadt“ abgerissen und ihre Baumaterialien zur Errichtung Neuf-Brisachs verwendet; auch die Rheinbrücke, bis dahin der einzige feste Rheinübergang zwischen Basel und Straßburg, wurde abgerissen. Auf Befehl Kaiserin Maria Theresias wurden die Festungsanlagen in den 1740er Jahren geschleift, das nunmehr „offene“ Breisach sollte aufhören, Zankapfel zwischen den europäischen Großmächten Frankreich und Habsburg/Österreich zu sein.
Merian-Stich von Breisach (von Westen gegen Osten)
Trotz dieser frühen „Entmilitarisierung“ war der Stadt keine friedliche Zukunft beschieden: Französische Revolutionstruppen zerstörten im September 1793 in nur 4 Tagen, was in Jahrhunderten gewachsen war. In Schutt und Asche geschossen war die „ständige Bedrohung Frankreichs“, der „Schlupfwinkel französischer Emigranten“, wie französische Zeitungen damals berichteten. Untergegangen war damit die einst wohlhabende und – nach einigen Quellen – allein auf dem Berg etwa 3.500 Einwohner zählende Stadt, die man auch „des Reiches sanftes Ruhekissen“ genannt hatte. Wiederaufbau und Wiederbesiedlung gingen nur sehr zögerlich voran. Das seit 1806 zum Großherzogtum Baden gehörende Landstädtchen Breisach, Sitz eines Bezirksamtes bis 1924, erfuhr erst wieder nach 1871, als die Grenze zu Frankreich neuerlich gefallen war, eine bescheidene Blüte. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges stagnierte der begonnene Aufschwung.
Schwerste Verfolgung bis hin zur fast vollständigen Vernichtung erfuhr die über 700 Jahre alte Jüdische Gemeinde Breisachs in der Zeit des NS-Regimes. Im Zuge des Reichspogroms wurde die Synagoge am 10. November 1938 durch Brandstiftung zerstört und der Alte Jüdische Friedhof geschändet. Die Nazis diskriminierten und verfolgten jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger auch hier. Viele fanden den Tod in der Deportation oder wurden in den KZs im Osten ermordet. An ihr Schicksal erinnert das 1998 neu errichtete Mahnmal auf dem Synagogenplatz. Das zerstörte Breisach 1945 Der Zweite Weltkrieg brachte neuerliches Leid über die schwer geprüfte Stadt: 85 % der Gebäude wurden zerstört, das Münster erlitt schwerste Beschädigungen. Viermaliger Evakuierung der Zivilbevölkerung (September 1939, Juni 1940, Dezember 1944 und Februar 1945) ist es zu verdanken, dass unter ihr nur wenige Kriegsopfer zu beklagen sind. Durch wochenlang anhaltende Brandstiftungen durch Angehörige der Besatzungsmacht gingen nach Kriegsende im Sommer 1945 nochmals über 100 Gebäude in Flammen auf. Trotzdem gelang durch den tatkräftigen Einsatz der zurückgekehrten Bevölkerung und mit staatlicher Unterstützung innerhalb von etwa 10 Jahren der weitgehende Wiederaufbau Breisachs.
Aus den bitteren Erfahrungen des Krieges und der jahrhundertelangen Situation als Grenzstadt bildete sich innerhalb der Bürgerschaft bereits Ende der 1940er Jahre ein europäisches Bewusstsein. Deshalb nahmen die Stadtverwaltung unter Bürgermeister Josef Bueb (1949 bis 1962) und der Gemeinderat die Entscheidung des Kongresses der Europa- Union unter Prof. Dr. Eugen Kogon, der im Frühjahr 1950 in Hamburg tagte, mit Freude entgegen, Breisach zum Ort der ersten Probeabstimmung für die Bildung eines „Bundesstaates Europa“ zu machen. Europa-Skulptur von Helmut Lutz Das Ergebnis dieser Abstimmung war ein überzeugendes Ja zu einem vereinten Europa: bei einer Wahlbeteiligung von 87,5 % stimmten annähernd 96 % der Breisacher für einen europäischen Bundesstaat. Das 1951 entzündete Europalicht und die 1964 verliehene Europafahne auf dem Eckartsberg mahnen seither, sich für dieses politische Ziel einzusetzen und das Miteinander über Grenzen hinweg auch im Alltag zu leben, wozu u.a. die seit 1960 mit Saint-Louis und seit 2000 mit Neuf-Brisach im benachbarten Elsass bestehenden Städtepartnerschaften vielfältige Gelegenheiten bieten. Am 50. Jahrestag der Europa-Abstimmung wurde 2000 die vom Breisacher Künstler Helmut Lutz geschaffene Skulptur aus griechischem Marmor und Bronze auf dem Münsterberg enthüllt.

Für Interessierte:
Geschichtsverein Breisach am Rhein e.V.
1. Vorsitzender Uwe Fahrer
Kupfertorstr. 55
79206 Breisach am Rhein
Tel. 0 76 67 / 70 89 und 0 76 67 / 8 32 65
Förderverein Stadtmuseum Breisach am Rhein e.V.
1. Vorsitzender Helmut Kiefer
Am Schanzbuck 1
79227 Schallstadt-Wolfenweiler
Tel. 0 76 64 / 96 22 96

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